Tintenfischpilz: Warum dieser Pilz nach Aas riecht
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Der Tintenfischpilz sieht aus, als wäre er einer anderen Welt entsprungen. Seine leuchtend roten Arme breiten sich über dem Waldboden aus und sind stellenweise mit dunklem Schleim bedeckt. Wer sich dem Pilz nähert, bemerkt meist schnell ein zweites auffälliges Merkmal: seinen intensiven Geruch nach Aas.
Hinter dem ungewöhnlichen Aussehen steckt eine wirkungsvolle Strategie zur Verbreitung der Sporen.
Vom Hexenei zum roten „Tintenfisch“
Bevor die roten Arme sichtbar werden, entwickelt sich der Fruchtkörper in einer hellen, eiförmigen Hülle. Dieses sogenannte Hexenei liegt teilweise im Boden oder in der Laubstreu. Wenn es aufbricht, strecken sich meist mehrere rote, schwammig-poröse Arme heraus.
Die Arme können sich zunächst nach oben richten und später sternförmig auseinanderbiegen. Auf ihrer Oberseite sitzt eine dunkel olivbraune bis fast schwarze, schleimige Masse. Sie wird Gleba genannt und enthält die Sporen des Pilzes.
Das ganze Schauspiel kann sich erstaunlich schnell entwickeln. Aus dem zunächst unscheinbaren Hexenei entsteht innerhalb kurzer Zeit ein Fruchtkörper, der kaum zu übersehen ist.
Warum riecht der Tintenfischpilz nach Aas?
Der starke Geruch ist kein Zufall. Der Tintenfischpilz bildet Duftstoffe, die an verwesendes Fleisch und Kot erinnern. Für Menschen ist das meist unangenehm. Für Fliegen und andere Insekten ist der Geruch dagegen ein starkes Lockmittel.
Die Tiere landen auf der sporenhaltigen Gleba und nehmen den klebrigen Schleim an Beinen und Körper auf. Ein Teil der Gleba wird auch gefressen. Wenn die Insekten weiterfliegen, transportieren sie die Sporen an neue Orte.
Während viele andere Pilze ihre Sporen vor allem über die Luft verbreiten, setzt der Tintenfischpilz damit gezielt auf tierische Helfer.
Ein Zersetzer im Wald
Clathrus archeri lebt saprobiontisch. Das bedeutet: Sein Myzel baut abgestorbenes organisches Material ab. Du kannst ihn deshalb unter anderem in Laubstreu, auf humusreichen Böden, an Wegrändern, in Gärten oder auf Flächen mit Holzmulch finden.
Der sichtbare Fruchtkörper ist nur der Teil, der zur Vermehrung dient. Der eigentliche Pilz lebt als feines Myzel im Boden und im zersetzten Material.
Trotz seiner auffälligen Ausbreitung sind in Deutschland keine bedeutenden negativen Auswirkungen auf die heimische Artenvielfalt bekannt. Der Tintenfischpilz gilt hier als gebietsfremde, aber etablierte Art.
Wie kam der Tintenfischpilz nach Europa?
Seine ursprüngliche Heimat liegt in Australien und wahrscheinlich weiteren Teilen der südlichen Hemisphäre. Anfang des 20. Jahrhunderts tauchte der Tintenfischpilz in Europa auf. Als möglicher Eintrag gelten Warentransporte, häufig werden australische Wolltransporte als Erklärung genannt. Ganz eindeutig lässt sich dieser Weg heute jedoch nicht mehr belegen.
In Deutschland wurde die Art erstmals in den 1930er-Jahren nachgewiesen. Seitdem hat sie sich weiter ausgebreitet. Heute kann der Tintenfischpilz in vielen Regionen Deutschlands gefunden werden, auch wenn er nicht an jedem Standort häufig auftritt.
Ist der Tintenfischpilz gefährlich?
Sein Aussehen wirkt dramatisch, doch beim bloßen Betrachten stellt der Tintenfischpilz keine besondere Gefahr dar. Er ist allerdings kein Speisepilz und schon wegen seines intensiven Geruchs nicht für die Küche interessant.
Wie bei allen Wildpilzen gilt: Verlasse dich bei einer Bestimmung niemals allein auf ein Foto oder einen einzelnen Beitrag. Wenn du einen Pilz nutzen möchtest, muss die Art zweifelsfrei bestimmt sein.
Kurz zusammengefasst
- Der Tintenfischpilz entwickelt sich zunächst in einem hellen Hexenei.
- Seine roten Arme tragen eine dunkle, sporenhaltige Schleimschicht.
- Der aasartige Geruch lockt Fliegen und andere Insekten an.
- Die Tiere verbreiten die klebrigen Sporen weiter.
- Clathrus archeri baut abgestorbenes organisches Material ab.
- Die Art stammt nicht ursprünglich aus Deutschland, ist hier inzwischen aber etabliert.
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