Q&A

Was sind die Vorteile der eigenen Pilzzucht?

Pilze zu Hause anzubauen ermöglicht dir jederzeit Zugriff auf frische Zutaten direkt für die Pfanne. Es ist ein spannendes Hobby bei dem du beobachten kannst wie die Fruchtkörper täglich wachsen. Du hast die Chance verschiedene Arten und Stämme auszuprobieren die man im Laden nur selten findet. Da du die Kontrolle über den Anbau hast sind die Pilze gesund und frei von Zusätzen. Zudem schont die eigene Ernte die Umwelt da weite Transportwege wegfallen. Es ist ein Projekt das viel Freude bereitet und dich am Ende stolz auf dein selbst gezüchtetes Ergebnis macht.





Was sind die biologischen Grundlagen von Pilzen?

Pilze sind ganz besondere Lebewesen die weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren gehören. Anders als Pflanzen brauchen sie Licht nicht zum Wachsen sondern ernähren sich von Stoffen aus ihrer Umgebung. Das was wir meistens als Pilz bezeichnen ist eigentlich nur der Teil der oben aus der Erde schaut um sich zu vermehren. Der wichtigste Teil lebt versteckt im Boden oder in Holz als ein feines Geflecht aus hellen Fäden. Es gibt riesige Unterschiede bei den Arten von winziger Hefe bis zu den großen Pilzen im Wald. In der Natur sind sie extrem wichtig weil sie Abfälle wie Laub in neuen Dünger verwandeln. Für uns Menschen sind sie außerdem super als Nahrung oder für die Medizin.



Was muss man über Pilzsporen wissen?

Pilzsporen sind für Pilze das was Samen für Blumen sind. Mit diesen winzigen Teilchen sorgen Pilze dafür dass sie sich ausbreiten und überall neue Pilze wachsen können. Da Pilze keine Blüten haben nutzen sie eben diese Sporen zur Vermehrung. Die Natur hat sich dafür tolle Wege ausgedacht: Manche Sporen fliegen einfach mit dem Wind davon während andere durch Wasser oder Tiere an neue Orte gelangen. Sobald eine Spore an einem guten Platz landet fängt dort ein neuer Pilz an zu wachsen. Weil es so viele verschiedene Arten von Sporen gibt finden wir Pilze heute in fast jedem Winkel der Erde.



Was ist das Myzel und welche Aufgabe hat es?

Das Myzel ist wie das Wurzelwerk eines Pilzes und besteht aus ganz vielen dünnen Fäden. Diese Fäden ziehen die Nahrung direkt aus ihrer Umgebung. Das Myzel breitet sich im Boden oder im Holz aus und macht dort einen extrem wichtigen Job: Es räumt auf. Mit speziellen Stoffen zersetzt es alles was tot ist und verwandelt es in frischen Dünger für die Natur. Das Myzel frisst sich quasi durch sein Futter und nimmt dabei alle wichtigen Nährstoffe auf. Für uns beim Anbau sind besonders die Sorten spannend die auf Holz wachsen. Diese brauchen nämlich keine lebenden Pflanzen um sie herum sondern können ganz einfach aus sich heraus wachsen.



Was ist Flüssigmyzel und wie wird es genutzt?

Flüssigmyzel ist eine Mischung aus Pilzfäden und einer flüssigen Nährlösung die in der Zucht sehr beliebt ist. Anstatt mit Sporen zu starten nutzt man hier bereits lebendiges Myzel das in der Flüssigkeit schwimmt. Diese Methode spart viel Zeit weil das Myzel nicht erst keimen muss sondern direkt loslegen kann. Züchter können so viel schneller größere Mengen ansetzen und haben mehr Kontrolle über den gesamten Ablauf. Ein großer Vorteil ist zudem dass dieses Gemisch recht unempfindlich gegen Wärme oder Trockenheit ist. Das macht den Anbau in unterschiedlichen Umgebungen deutlich sicherer. Insgesamt ist es eine moderne Lösung um effizienter und gezielter verschiedene Arten und Stämme zu vermehren.

Was versteht man unter Körnerbrut und wie wird sie hergestellt?

Körnerbrut dient in der Pilzzucht als praktisches Trägermaterial wobei meistens Getreide wie Roggen oder Hirse genutzt wird. Damit das Ganze funktioniert müssen die Körner zuerst eingeweicht oder gekocht werden damit sie genug Feuchtigkeit für das Myzel speichern. Ein extrem wichtiger Schritt ist danach das Sterilisieren um fremde Keime abzutöten. Sobald alles sauber vorbereitet ist wird das Getreide mit Flüssigmyzel oder bereits bewachsenem Material geimpft. Die Körnerbrut bietet dem Pilz eine ideale Basis um sich schnell auszubreiten und ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zucht unter kontrollierten Bedingungen.

Was ist ein Substrat und warum ist es so wichtig?

Das Substrat ist die Nahrungsgrundlage auf der das Myzel wächst und später die Fruchtkörper entstehen. Es besteht meistens aus organischen Stoffen wie Stroh oder Holzresten. Je nach Art und Stamm muss man das Material unterschiedlich vorbereiten zum Beispiel durch Abkochen oder Erhitzen um Schimmel und Bakterien auszuschalten. Wenn das Substrat sauber ist wird es mit dem Myzel beimpft das sich dann durch das Material frisst und Nährstoffe sammelt. Nur wenn die Mischung genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pilze abgestimmt ist entwickeln sich am Ende kräftige Erträge.

Wofür werden Nährböden in der Pilzzucht verwendet?

Nährböden sind eine wichtige Basis um gezielt bestimmte Pilzstämme zu klonen oder auszuwählen. Sie bieten dem Myzel genau die Umgebung die es braucht um gesund zu wachsen und erwünschte Merkmale weiterzugeben. Ein weiterer großer Vorteil ist die Kontrolle der Sauberkeit: Auf dem flachen Nährboden sieht man sofort ob sich unerwünschte Keime oder Schimmel eingeschlichen haben. Falls eine Verunreinigung auftritt kann man ein Stück des sauberen Myzels vorsichtig abtrennen und auf einen neuen Nährboden übertragen. So bleibt die Zucht rein und man kann sicher mit dem Material weiterarbeiten.

Was ist eine Nährlösung und wie wird sie eingesetzt?

Eine Nährlösung ist eine saubere Flüssigkeit die dem Pilzmyzel als Futter dient. Sie besteht aus Wasser und verschiedenen Nährstoffen wie zum Beispiel Ahornsirup oder Malzextrakt. Je nachdem welche Arten oder Stämme man züchten möchte kommen auch Zutaten wie Dextrose oder Kartoffelstärke zum Einsatz. Diese Mischung wird genutzt um Flüssigmyzel sicher zu vermehren oder für längere Zeit aufzubewahren. Damit das Myzel in der Flasche gut wächst und nicht verklumpt nutzt man oft einen Magnetrührer mit einem passenden Stäbchen. Das hält alles in Bewegung und sorgt für ein kräftiges Wachstum der Pilzfäden.

Was bedeutet Kontamination und wie vermeidet man sie?

Unter Kontamination versteht man den Befall der Zucht durch unerwünschte Gäste wie fremde Schimmelpilze oder Bakterien. Diese Mikroorganismen verbreiten sich über die Luft oder unsauberes Werkzeug und nehmen dem eigentlichen Pilz die Nahrung weg. Oft liegt die Ursache an mangelnder Hygiene oder daran dass beim Sterilisieren nicht gründlich genug gearbeitet wurde. Wenn sich fremde Keime im Substrat ausbreiten stört das das Wachstum der gewählten Stämme massiv. Um eine erfolgreiche Ernte zu sichern sind deshalb absolute Sauberkeit und sorgfältiges Arbeiten die wichtigsten Regeln. Nur durch vorbeugende Maßnahmen lässt sich die Zucht vor diesen Eindringlingen schützen.

Welche Rolle spielt die Sterilisation in der Pilzzucht?

Die Sterilisation ist ein wichtiger Schritt um fremde Bakterien oder andere Pilze komplett zu entfernen. So schaffst du eine saubere Umgebung in der nur deine gewünschte Art und der gewählte Stamm wachsen können. Erreicht wird das meistens durch Hitze im Drucktopf oder Autoklaven aber auch durch spezielle Filter für die Luft und chemische Mittel. Besonders wenn du empfindliche Pilze züchten möchtest die sich gegen Konkurrenz schwer durchsetzen ist ein absolut keimfreies Umfeld die Voraussetzung für den Erfolg. Ohne diese gründliche Vorbereitung hätten deine Pilze kaum eine Chance sich gegen schnellere Mikroorganismen zu behaupten.

Was ist der Unterschied zwischen unsteriler und steriler Pilzzucht?

Bei der unsterilen Pilzzucht verzichtet man auf ein komplett keimfreies Umfeld und nutzt stattdessen Materialien die von Natur aus weniger anfällig für Schimmel sind. Ein gutes Beispiel sind Strohpellets da diese bei der Herstellung stark erhitzt wurden und kaum Nährstoffe für fremde Keime bieten. Man arbeitet hier oft mit einfachen Mitteln und achtet auf die natürliche Belüftung und Temperatur. Diese Methode spart viel Aufwand ist aber etwas riskanter was Verunreinigungen angeht. Im Vergleich dazu braucht die sterile Zucht eine absolut saubere Umgebung um dauerhaft gleiche Ergebnisse zu liefern. Welche Methode man wählt hängt ganz davon ab wie viel Equipment man nutzen möchte und welche Arten man anbauen will.

Was ist der Unterschied zwischen einer Pilzart und einem Stamm?

Eine Pilzart ist die allgemeine Gruppe zu der ein Pilz gehört während Stämme oder Strains die einzelnen Untergruppen mit ganz speziellen Eigenschaften sind. Man kann sich das wie bei Hunderassen vorstellen: Alle sind Hunde aber jede Rasse sieht anders aus. Züchter wählen gezielt Stämme aus die besonders schnell wachsen viele Fruchtkörper bilden oder einen tollen Geschmack haben. Manchmal werden auch verschiedene Stämme miteinander gekreuzt um die besten Merkmale zu kombinieren. So bekommt man genau den Pilz der am besten zu den eigenen Wünschen passt. Innerhalb einer Art gibt es also eine riesige Auswahl an verschiedenen genetischen Varianten die sich in Farbe Form und Ertrag unterscheiden können.

Wozu dient ein Bunsenbrenner bei der Pilzzucht?

Ein Bunsenbrenner hilft dabei eine saubere Zone zum Arbeiten zu schaffen. Die heiße Flamme sorgt für einen aufsteigenden Luftstrom der kleine Teilchen wie Schimmelsporen einfach nach oben wegzieht. Dadurch wird verhindert dass diese Partikel auf deine Werkzeuge oder das Substrat fallen und dort Schaden anrichten. Damit das Ganze funktioniert sollte es im Raum keine Zugluft geben die den Aufwind stört. Alle Dinge die sauber bleiben müssen platzierst du am besten direkt im Bereich der Flamme. So nutzt du die Hitze als unsichtbaren Schutzschild gegen Verunreinigungen.

Wie funktioniert das Klonen von Pilzen?

Beim Klonen von Pilzen nimmst du ein kleines Stück vom Fruchtkörper oder Myzel um daraus neue Pilze zu ziehen. Das Besondere daran ist dass die Nachkommen genau die gleichen Erbanlagen haben wie das Original. Züchter nutzen diesen Weg um tolle Merkmale wie einen besonderen Geschmack oder ein sehr schnelles Wachstum dauerhaft zu sichern. So musst du dich nicht auf den Zufall verlassen sondern bekommst immer wieder die gleiche gute Qualität. Das hilft dabei die Ernte planbar zu machen und sorgt für ein gleichmäßiges Ergebnis in deiner Zucht.

Was bedeutet Biologische Effizienz (BE) in der Pilzzucht?

Die Biologische Effizienz oder kurz BE zeigt dir wie gut deine Pilze das Futter im Substrat in echte Ernte umwandeln. Man gibt diesen Wert in Prozent an um zu sehen wie viel Ertrag man aus einer bestimmten Menge Material herausholt. Wenn du zum Beispiel ein Kilo trockene Strohpellets nutzt und daraus 500 Gramm frische Pilze wachsen hast du eine Effizienz von 50%. Je nach Art und Stamm oder den Bedingungen bei dir zu Hause kann dieser Wert ganz unterschiedlich ausfallen. Ein hoher Prozentsatz ist immer das Ziel da man so mehr Pilze bei weniger Materialeinsatz bekommt. Das spart Kosten und sorgt dafür dass am Ende weniger Reste übrig bleiben.

Welche Menge Flüssigmyzel ist ideal für die Körnerbrut?

Für 250 Gramm Körnerbrutgrundlage solltest du genau 5 Milliliter Flüssigmyzel verwenden. Nimmst du weniger dauert es viel länger bis das Getreide vollständig bewachsen ist. Dabei besteht die Gefahr dass die Körner zwischendurch austrocknen und das Myzel sie dann nicht mehr richtig besiedeln kann. Wer denkt dass viel auch viel hilft liegt hier leider falsch: Zu viel Flüssigkeit schadet dem Myzel eher da es feuchte Stellen nur schwer durchdringen kann. Während mehr Impfmaterial beim Übertragen auf das Endsubstrat das Wachstum beschleunigt ist bei der ersten Impfung der Körnerbrut die richtige Balance der Feuchtigkeit entscheidend für den Erfolg.

Wann sollte man die Fruchtungsphase einleiten oder eine Reifephase nutzen?

Sobald das Myzel das gesamte Substrat weiß besiedelt hat kannst du entscheiden ob du direkt die Pilze wachsen lässt oder eine Reifephase einlegst. In dieser Zeit lässt du die Bedingungen wie Temperatur und Dunkelheit einfach so wie sie während des Wachstums waren. Das gibt dem Myzel die Chance die Nährstoffe im Inneren noch besser aufzuschließen und Kraft zu sammeln. Oft führt dieses zusätzliche Warten dazu dass du später deutlich mehr Pilze ernten kannst weil das Geflecht kräftiger ist. Es lohnt sich also geduldig zu sein damit die Biomasse optimal für die Fruchtkörperbildung vorbereitet ist.

Was ist bei der Ruhephase nach der ersten Ernte zu beachten?

Nachdem du die Pilze geerntet hast braucht die Kultur eine Pause um sich zu erholen. In dieser Zeit ist es wichtig die Stellen an denen die Pilze abgeschnitten wurden mit Micropore Tape abzukleben. Das schützt den Block davor auszutrocknen und verhindert dass Keime eindringen. Während dieser Ruhezeit solltest du die Temperatur und Luftfeuchtigkeit so lassen wie sie schon bei der Fruchtbildung waren. Das hält die Kultur stabil und hilft dem Myzel dabei neue Kraft für die nächste Erntewelle zu sammeln. So sorgst du dafür dass dein Substratblock möglichst lange produktiv bleibt und weitere Fruchtkörper bilden kann.

Was ist die Inkubationsphase und warum ist sie wichtig?

In der Pilzzucht beschreibt die Inkubation die Zeit in der das Myzel das Nährmedium besiedelt. Egal ob in einer Nährlösung auf einem Nährboden oder im Substrat: Die Pilzfäden breiten sich in dieser Phase aus und sammeln Kraft. Damit das Myzel gesund wächst braucht es genau die richtige Temperatur und eine passende Sauerstoffzufuhr. Jede Art und jeder Stamm hat dabei eigene Vorlieben die man genau einhalten sollte. Dieser Schritt ist das Fundament für die gesamte Zucht. Nur wenn das Myzel während der Inkubation das Material vollständig und kräftig durchwächst können später schöne Fruchtkörper entstehen.

Was ist Fruktifikation und welche Bedingungen sind nötig?

Die Fruktifikation ist der Moment in der Zucht in dem das Myzel die eigentlichen Pilze bildet. Damit das passiert braucht der Pilz einen Reiz von außen der ihm zeigt dass es Zeit für die Vermehrung ist. Faktoren wie die richtige Temperatur und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit sind dabei extrem wichtig. Auch frische Luft spielt eine große Rolle da die Fruchtkörper Sauerstoff brauchen um gesund zu wachsen. Wenn alle diese Werte genau auf die Art und den Stamm abgestimmt sind entwickelt der Pilz kräftige Fruchtkörper von hoher Qualität. Nur durch die Kontrolle dieser Bedingungen kann das Myzel seinen Kreislauf erfolgreich abschließen und die gewünschte Ernte hervorbringen.

Welche Rolle spielt CO2 in der Fruchtungsphase?

CO2 oder Kohlendioxid ist ein Gas das schwerer als Luft ist und sich deshalb am Boden sammelt. Während die Pilze wachsen produzieren sie dieses Gas selbst weshalb eine gute Belüftung lebenswichtig ist. Ein zu hoher CO2 Wert verändert die Form der Fruchtkörper massiv: Austernseitlinge bekommen zum Beispiel lange Stiele und winzige Hüte während Kräuterseitlinge extrem dicke Stiele entwickeln. Für empfindliche Arten sollte der Wert nicht über 700 ppm steigen damit die Qualität stimmt. Regelmäßiges Lüften führt das schwere Gas ab und bringt frischen Sauerstoff an die Pilze. Auch bei der Lagerung musst du darauf achten dass die Behälter offen oder belüftet sind damit sich kein CO2 anstaut. Wenn du früh genug gegensteuerst und für Frischluft sorgst kannst du ein falsches Wachstum oft noch korrigieren.

Warum wächst mein Flüssigmyzel langsam oder gar nicht?

Das Wachstum hängt von vielen Faktoren ab wobei die Pilzart und die Temperatur die größte Rolle spielen. Meistens sind 20 bis 25 Grad ideal um die Zellteilung anzuregen. Auch die Mischung der Nährlösung ist wichtig da Zusätze wie Sojapepton den Prozess deutlich beschleunigen können. Wenn sich die Flüssigkeit trübt oder unangenehm riecht liegt wahrscheinlich eine Kontamination vor. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ruhe: In den ersten drei Tagen nach dem Beimpfen darfst du die Lösung nicht bewegen damit sich das Myzel erholen kann. Danach reicht es aus die Flasche einmal täglich für etwa 10 Sekunden zu schwenken oder zu rühren um eine feine Struktur zu behalten. Nur wenn alle diese Bedingungen passen breitet sich das Myzel gesund und zügig aus.